Guttenbergs Macke ist unsere

Baron zu Guttenberg scheidet derzeit Deutschland in Fans und Feinde. Dabei zeigt gerade die Affäre um den verlogenen Doktortitel: Wir alle sind wie Guttenberg. Wir sollten uns dies eingestehen und die Konsequenzen ziehen.

Dabei hilft ein Blick zurück. In den fünfziger Jahren sagten die Väter zu ihren Söhnen: “Sei fleißig und arbeite hart, dann wirst du es zu etwas bringen.” Daran stimmt heute nichts mehr.

Das fängt schon mit dem Ziel an: “Es zu etwas bringen”. Der Vater meinte damit: Du wirst ein angesehener Bürger, hast einen guten Beruf, ein sicheres Einkommen, eine Frau und anständige Kinder. Niemand begnügt sich heute mehr damit! Superstar oder Hartz IV heißt die Devise. Gemeinsam ist beiden Optionen, dass man sich nicht  anstrengen muss.

Casting-Shows, Schönheits-OPs und ermogelte Würden haben eines gemeinsam: Die Kosmetische Aufbereitung der Oberfläche. Und das geht so leicht: Über Nacht kann uns das Fernsehen zum Promi machen – ohne dass wir irgendetwas besonderes sind oder können. IT-Girls weisen den Weg ins luxeriöse Nichtstun. Und das finden wir gut und wollen es auch. Mit überzogener Anstrengung dagegen haben wir nichts am Hut! Faulsein und dennoch erfolgreich – das erscheint uns am Coolsten.

Passender Weise wollen wir häufig nicht hinter die glänzenden Fassaden schauen. Schon gar nicht, wenn es anstrengend oder moralinsauer wird. Dazu gehört auch eine Diskussion über Ehrlichkeit und Anstand. Mann, das ist ja sowas von unsexy! Da wollen wir lieber den smarten Minister behalten.

Gut, im Prinzip besitzen wir schon auch eine Moral. Aber die Grenzen verwischen. Klar wäre ein solcher Fall: Einer beklaut den Bäcker, ohne es wirklich nötig zu haben. Das verurteilt jeder. Aber das ist fünfziger Jahre. Heute wird anders gestohlen und zwar massenhaft. Software, Musik, Filme – per Kopieren und Herunterladen. Das ist Guttenberg, das sind wir.

Ebenfalls typisch sind die Ausreden. “Ich bin sonst nie so.” – damit beschummeln wir andere und vielleicht uns selbst. Oder: “Das sind die Umstände.” Auch diesen Trugschluss lernt der Psychologie-Student bereits im Grundstudium kennen. Ein Klassiker eben. Herr zu Guttenberg spricht von Fehlern, von Überlastung – so lauten sie halt, die Ausreden. Damit ist er also einer von uns.

Wir Menschen sind nicht perfekt. Wir lügen und schummeln und reden uns nachher raus. Das alles ist menschlich. Das heißt allerdings nicht, dass wir dies tolerieren sollten. Dafür eben ist die Gesellschaft da: Sie muss einen sinnvollen Umgang mit den Macken des Menschen finden. Fangen wir bei Herrn Guttenberg an.

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