Jobs und Jobsucher: Wie zwei Königskinder, die nicht zueinander finden

Unternehmen haben Geschäft bis unters Dach und Bewerber warten sehnsüchtig auf die Zusage. Aber wie zwei Königskinder, die nicht zueinander finden, irren beide Seiten herum. Wieso finden Töpfchen und Deckelchen nicht zueinander?

In meinem aktuellen Transferprojekt spreche ich mit Arbeitssuchenden. Sie jammern, dass sie nichts von den Firmen hören. Wie lange müssen sie warten, bis sie nachfragen dürfen? Und wieso dauert das überhaupt so lange? Je mehr Arbeit, desto länger dauern Zusagen häufig. Es ist wie mit dem Waldarbeiter und der stumpfen Säge. Er kommt nicht voran, weil das Blatt stumpf ist. Wieso er das Blatt nicht wechselt? Keine Zeit.

Ich rufe einen Produktionsleiter an, weil seine Email mit dem Stellenprofil nicht bei mir angekommen ist. Offensichtlich hat er sich vertippt, denn die Email sendete er los, als wir zusammen saßen. “Schicken Sie mir nochmal eine Email dazu. Das geht schneller, wie wenn ich die Emails nochmal durchsehe. Es waren heute schon 200!”

Ich hinterlasse einem meiner Beschäftigten eine Nachricht auf der Mailbox. Wichtig und eilig. Heute früh ruft er mich zurück. Ob er die Nachricht gestern abgehört hat? Nein, hat er nicht. Hallo? Wenn ein Anrufer hört, dass eine Mailbox dran geht, spricht er da drauf. Und geht davon aus, dass die Nachricht abgehört wird. Logisch, oder? Andere Beschäftigte melden sich am Telefon mit “Ja?” Oder es geht überhaupt niemand dran. Auch keine Mailbox und kein AB. Wie sollen die Arbeitgeber die Jobsucher eigentlich erreichen unter diesen Bedingungen? Und was glauben die Jobsucher, wie lange ein Produktionsleiter, der 200 Emails am Tag bearbeiten muss, probiert, sie zu erreichen?

Natürlich sollten Firmen besser organisiert sein. Und die Bewerber mehr hofieren. Aber sie sind es nicht. Und Bewerber haben die verdammte Pflicht, auf allen Kanälen erreichbar zu sein. Solange beide Seiten so rumschlampen in Hinsicht auf ihre Kommunikation, finden sie nicht zueinander. Die Firmen ersticken weiter in Arbeit. Und die Jobsucher suchen weiter nach einem Job.

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp. Wenn Sie als Jobsucher mit einem Personaler telefonieren, versuchen Sie, einen festen Termin für eine erneute Nachfrage zu vereinbaren. “Wie lange brauchen Sie etwa für die Bearbeitung? Bis Ende des Monats sollte ich etwas von Ihnen hören? Gut, das notiere ich mir.” Dann können Sie Anfang des folgenden Monats wieder durchklingeln und sich auf das Telefonat beziehen. Nicht so sehr, weil die Personalabteilung dann ganz bestimmt zu Potte gekommen ist. Sondern aus zwei ganz anderen Gründen. Erstens weil Sie dann Dampf machen. Und zweitens weil Sie sich als zuverlässiger Partner empfehlen. Ach ja, nicht vergessen: Wenn Sie Dampf machen, dann bitte mit viel Charme!

2 Kommentare

  • Genauso ist es.
    Beide Seiten tun sich schwer. Wie sollten sie auch anders.

    Jobsuchende haben vieles gelernt, nur eben die Jobsuche nicht. Einfache Mechanismen der zwischenmenschlichen Kommunikation werden nicht angewandt.

    Und Arbeitgeber, selbst Personaler verhalten sich häufig unprofessionell, bisweilen immer noch hochnäsig. Wir haben ja (noch) die Auswahl… Und wenn nicht, beklagen wir den Fachkräftemangel.

    Solange diese Unstimmigkeiten und Unvereinbarkeiten herrschen, bleibt für uns Berater und Experten noch genug zu tun.

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  • Guten Tag, Herr Hahn, danke für Ihren Kommentar. Vielleicht ist die ideale Beraterhaltung die, sich überflüssig zu machen. Auch wenn das nicht immer klappt. Schöne Grüße, Christoph Burger

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