Charakter zeigen mit Moral (1): Marketing contra Moral

Was hat ein professioneller Auftritt im Internet mit Moral und Ethik zu tun? Sollte man sich fürs bessere Marketing mit der Moral zurück halten?

Offene moralische Frage

Vor Kurzem fragte ich in meiner Blogparade: Wieviel Charakter sollte und darf man im Netz zeigen? Zielgruppe für diese Frage waren Einzel- bzw. Kleinunternehmer. In den Beiträgen zur Blogparade wurde v.a. die Grenze zwischen Persönlichem und Privatem ausgelotet. Alle waren sich einig: Privates sollte privat bleiben. Persönliches dagegen ist nachgerade nützlich. Man gewinnt Kunden, ja sogar Wunschkunden. Fazit: Trauen Sie sich, Persönlichkeit zu zeigen!

Wie steht es aber mit jenen Ansichten und Haltungen, die vermutlich abschreckend wirken könnten? Wenn Sie also von etwas überzeugt sind, aber starke Zweifel hegen, dass Ihre Haltung begrüßt wird – und das Ganze noch nicht mal mit Ihrem Geschäftsfeld zu tun hat?

Klare Grenze

Nadja Bungard von der Startbox Berlin formulierte in ihrem Beitrag zur Blogparade sehr deutlich. Politik etc.? „Das sind unserer Meinung nach keine Kriterien, um sich für oder gegen uns als Berater zu entscheiden.“  Deshalb empfiehlt sie, dies als privat zu definieren und für sich zu behalten. Eine klare, professionelle Haltung, so scheint es. Denn wieso sollten Sie als Profi etwas zeigen, was Ihre private Meinung ist? Etwas, das Sie weder als Person näher definiert („ich liebe belgische Pralinen“)? Noch etwas, das Ihrer Profession zu tun hat („die Groko hat aus meiner Sicht für Existenzgründer folgende Vor- und Nachteile: …“)?

Mein Problem damit

Die Argumentation der Kollegin scheint schlüssig – und doch habe ich ein Problem damit. Unter der moralischen Lupe besehen wäre eine strikte Trennung von Beruf und Privatem kaum vertretbar. Das wird schnell klar, wenn man die Beispiele etwas überspitzt: Werktags Menschen ausbeuten und am Sonntag für seinen Nächsten beten? Tagsüber ärztliche Führsorge praktizieren und abends seine Kinder ohrfeigen? Die Zuspitzung macht klar: Das geht nicht!

Meine These: Die moralische Frage schleppen wir immer mit uns herum. Von Montag bis Freitag, genauso wie am Wochenende. An der Arbeit ebenso wie nach Feierabend. Ob uns das passt, oder nicht. Wer überhaupt moralische Aspekte für seine Lebensgestaltung zulässt, kommt nicht darum herum, sich hier zu Positionieren. Nicht aus professionellen Gründen, sondern aus moralischen.

Sicherlich stellt das moderne Leben uns vor die Aufgabe, Kompromisse machen zu müssen. Aber unsere Lebensumstände schaffen das Thema Moral deshalb noch lange nicht ab.

Im nächsten Beitrag schildere ich weitere Aspekte dazu – bevor ich mich im dritten Beitrag oute und meine persönliche Moral-Landkarte preisgebe.

2 Kommentare

  • Lieber Herr Burger,

    ich freue mich natürlich, dass unser Beitrag Sie zu einem weiteren Blogpost angeregt hat. Allerdings sehe ich die Verbindung zwischen politischer Einstellung und Moral nicht so ganz. Denn die politische Einstellung hat ja nichts Moral zu tun. Man kann gleiche moralische Werte haben, aber unterschiedliche politische Parteien wählen.

    In dem Sinne herzliche Grüße
    Nadja Bungard

    Antworten
  • Hallo Frau Bungard,

    danke für Ihren Kommentar. Generell kam mir das Thema Überzeugungen (politische – letztlich moralische) in den Beiträgen zu kurz. In Ihrem Beitrag wurde das zugespitzt thematisiert („Das Auto ist kein Kriterium“). Selbstverständlich haben Sie recht: Moral und Politik sind nicht das Gleiche. In Ihrem Beitrag oben habe ich verkürzt auf „Politik etc.“. Bei Ihnen im Blog sind die „Einsttellung zu einer politischen Kampagne“ und das Auto als Statussymbol erwähnt. Im nächsten und übernächsten Beitrag wird wohl etwas klarer, wieso für mich beides in eine Kiste gehört. Die andere wäre die Marketing-Kiste.

    Beste Grüße,

    Christoph Burger

    Antworten

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