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14.09.2011 Karriere mit Charakter

Bildet Kinder! Wie der Fachkräftemangel uns ins Glück zwingt.

Politik und Wirtschaft trompeten schon lange herum: Der Fachkräfte-Mangel droht! Bis vor wenigen Wochen war sich die Wissenschaft jedoch uneins: Kommt er nun, ist er schon da oder wird er gar nie kommen? Jetzt veröffentlicht das IAB – also eine anerkannte, unabhängige Quelle – Folgendes: Erstens gibt es in Bälde viel weniger arbeitende Menschen, wie heute. Zweitens: Ein Fachkräftemangel kommt dennoch nicht unbedingt. Wie passt das zusammen?

Bevor ich die Frage beantworte, ein kurzer Rückblick. Im November 2010 wird eine Studie des DIW veröffentlicht, die einen aktuellen Fachkräftemangel verneint. Im Frühjahr kann die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken nur ausweichende Antworten geben, wo er denn nun konkret sei, der ominöse FM. Dazu kommt: Manche Umfragen finden ihn, andere nicht. Nun aber das IAB, das Institut, welches hinter der Agentur für Arbeit steht; es stellt eindeutig fest: Arbeitskräfte nehmen ab. Je nach Szenario werden wir das spätestens ab 2015 deutlich oder dramatisch zu spüren bekommen. Grund ist die demographische Entwicklung.

Zuzug, Verlängerung der Arbeitszeit, verstärkte Frauenarbeit, richten nichts aus gegen die mächtige Demographie, so die Forscher. Nun schauen wir auf den außergewöhnlichen Schluss des Berichts. Hier wird erklärt, warum der Fachkräftemangel nicht kommen wird. Kapital- und Gütermärkte werden lernen, mit weniger Fachkräften auszukommen. Investition in Bildung und Ausbildung werden erhöht. Und dann folgen die schönen Worte: „Die Anerkennung Älterer in der Gesellschaft, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern (Vereinbarkeit von Familie und Beruf) und die Integration von Migranten, sind hohe Ziele, deren Stellenwert nun aus der Arbeitsmarktperspektive heraus noch zunimmt.“

Mit anderen Worten: Der drohende Fachkräftemangel zwingt die Politik zum Besseren. Das ist auch dringend nötig, wie heute beispielsweise in der taz nachzulesen ist. Nach dem jüngsten OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ investiert Deutschland immer noch deutlich weniger in Bildung als die Konkurrenz. Und der deutsche Bildungsforscher und OECD-Mitarbeiter Andreas Schleicher weist im Interview einmal mehr darauf hin, wo wir zuschießen müssen: Bei der Bildung der Kinder! Auch Politiker sollten begreifen: Deutsche Kinder beherrschen normalerweise mit sechs Jahren die deutsche Grammatik. In Anbetracht dessen ist es grauenvoll, dass Kinder (mit Migrationshintergrund) mit 16 nicht ausbildungsfähig sind, weil sie nur Sprachmüll im Munde führen.

Ein dreifaches Hoch also auf die IAB-Forscher und vielleicht sogar auf den drohenden Fachkräftemangel: Die Politik wird zur Vernunft gezwungen! Wir müssen nicht erfolgreich argumentieren, sie werden schlicht ins richtige Gleis gepresst. Kann die Welt schöner sein?



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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