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14.10.2015 Umgang mit Ärger

Negative Gefühle als Kinostars

Ungewohnte Bilder aus dem Gehirn gibt es derzeit im Kino zu sehen, wenn Gefühle als Animationsfiguren auftreten. Der Clou der Geschichte: Der anfänglich offensichtlich nutzlose und sogar gefährliche Avatar des Gefühls Kummer steigt zum heimlichen Star der Truppe auf.

Ekel, Wut, Angst, Kummer und Freude

Der innovativen Trickfilmschiede Pixar (Findet Nemo, Ratatouille …) ist mit  Alles steht Kopf ein höchst unterhaltsamer Streifen gelungen. Ein Lehrstück mit leichter Hand, denn Pixar nimmt uns mit in den Kopf eines elfjährigen Mädchens.

Gleich zu Anfang sehen wir, wie die Gefühle in der Schaltzentrale des Gehirns ein Baby steuern und so mit der Umgebung interagieren. Chefin unter den Gefühlen im Kopf ist die Freude, eine Optimistin, wie sie im Buche steht. Unverbesserlich positiv sieht sie die Welt, wo immer es nur geht. Und wo das nicht funktioniert, biegt sie die Verhältnisse einfach zurecht, bis sie wieder strahlen und jubeln kann. „Hach, ist das alles toll!“. Als Koordinatorin und Sonnenschein in einem, die immer Rat weiß, wird ihr auch von den anderen Gefühlen eine führende Rolle zugeschrieben.

Höchstens zur Ulknummer taugt dagegen Kummer. Sie trübt auch noch die beste Stimmung ein. Zudem versinkt Kummer bei jeder Gelegenheit in grenzenloses Selbstmitleid und ergreift jede Chance, sich finstersten Stimmungen hinzugeben und die letztendliche Aussichtslosigkeit aller Bemühungen an die Wand zu malen. Freude geht das komplett gegen den Strich und wenn sie dann ihre härteste Kritik an Kummer auffährt, stimmt diese vorbehaltlos zu. Schließlich ist dies ohnehin genau Kummers Richtung: Selbstmitleid. „Du hast ja Recht. Alles, was ich anfasse, wird trist, aber ich kann trotzdem nur schwer meine Finger raus lassen.“ (großer Seufzer!)

Daneben gibt es noch Ekel, Wut und Angst, die jeweils ihrem Namen alle Ehre machen. Irgendwie auch mal nützlich sind sie wohl, aber letztlich gilt: Ohne Freude sind die anderen verloren.

Welche der Trickfilmfiguren entspricht Ihrem Chef?

Nun kommt der Business-Bezug: Welche der Trickfilmfiguren entspricht Ihrem Chef? Gehen Sie doch mal mit Ihrem Team ins Kino und ordnen Sie zu ….

Und welche der Gefühls-Kobolde würden Sie einem Motivations- oder Persönlichkeitstrainer zuordnen? Wie schon mehrfach auf diesem Blog ausgeführt, bin ich von Trainerkollegen zwar angetan, die sich mit Freude identifizieren. Gleichzeitig wirkt der flächendeckende, unreflektierte, aufgesetzte Optimismus der Branche manchmal ekelerregend auf mich.

Und dieses „Immer-weiter“ wirft auch Fragen im Wirtschaftsleben auf. Nehmen wir nur Herrn Winterkorn von VW und seine Kollegen als Beispiel.  Klar, ein paar Jahre ging alles gut. Doch jetzt zeigt „Dieselgate“, dass ein „wir schaffen alles und sind die Tollsten“ erhebliche Nachteile für den Geschäftserfolg bereit halten kann. Zweifeln und zögern wäre manchmal besser, auch für die PS-Branche.

Kummer, der Anti-Star

Zurück zum Film. Das Mädchen gerät durch einen Umzug in eine tiefe Lebenskrise. Und da ist plötzlich Kummer die einzige, die der Elfjährigen noch helfen kann und sie vor dem Totalabsturz bewahrt. Damit wird Kummer zum heimlichen Star des Films. Ein Anti-Star, denn sie bleibt die alte: Eine stets mürrische, negativ denkende und übellaunige Pessimistin. Dennoch hat Freude, die Attraktive, scheinbar zu Ruhm und großen Taten Geborene, die ebenso Strahlende wie allgemein Beliebte, in diesem Moment keine Chance gegen sie. Und das nächste Einsatzfeld, in dem Freude versagen wird, deutet sich im Film schon an: Die Pubertät.

Was hat es nun mit diesen negativen Gefühlen auf sich? Niemand begrüßt Kummer, Angst und Ärger, denn sie fühlen sich schlicht unangenehm an. Und dennoch, allesamt sind wichtig und nützlich! Ohne diese negativen Gefühle würden wir auf ganzer Linie versagen, davon erzählt in äußerst unterhaltsamer Weise dieser Film. Ein Reminder für den Fall, dass wieder einmal ein Motivations-Guru oder ihr Chef Ihnen weismachen wollen, dass Optimismus das Allheilmittel ist.

Wenn Sie Interesse an Mitmenschen oder Personalführung oder Psychologie haben – oder einfach nur einen originellen, gelungenen Film voller hintersinniger Pointen genießen wollen: Viel Spaß im Kino!

Bücher zum Nutzen negativer Emotionen  von mir:
Der Zornkönig. Wie Sie Ihren Ärger positiv nutzen.
Change! Wut in positive Energie umwandeln.



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Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

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