Politiker-Phrasen. Und was Sie daraus fürs Vorstellungsgespräch lernen können

Als Fernseh-Zuschauer kennen Sie diese typischen, nervtötenden Politiker-Interviews. Politiker lassen die gestellte Frage links liegen. Stattdessen erzählen sie das, was sie wollen. Hinter dem absurd scheinenden Schauspiel steckt ein vernünftiges Kalkül. Lernen Sie daraus fürs Vorstellungsgespräch und für andere Gespräche.

Die Kunst des Aneinander-vorbei-redens

Was haben die folgenden Dialoge zwischen Politiker und Journalist gemeinsam?

“Frau Merkel, nicht einmal Ihr Koalitionspartner, die FDP, glaubt daran, dass Sie Ihre Wahlversprechen finanzieren können. Wie wollen Sie das machen?” “Natürlich haben wir in ganz Europa mit der Schuldenproblematik und mit Finanzierungen zu kämpfen. …”

“Herr Tritin, können Sie ausschließen, dass Sie nach der Wahl mit der CDU koalieren?” “Sie fragen mich im Zusammenhang mit der Euro-Schulden-Krise – dazu möchte ich sagen: …”

“Herr Gabriel, stehen Sie überhaupt noch hinter Ihrem Spitzenkandidaten nach diesen Äußerungen von Herrn Steinbrück?” “Im Kern spricht Peer Steinbrück ein Problem an, das wir durchaus als relevant einstufen. …”

Gemeinsam haben diese Beispiele, dass nicht auf die Frage geantwortet wurde. Dieses Phänomen kennen kritische Fernseh-Zuschauer zur Genüge. Scheinbar wird hier schlechtes Benehmen zelebriert und die Unfähigkeit von Politikern augenfällig. Doch in Medien-Trainings lernen Politiker genau dieses Verhalten. Wie das? Kann das sein? Ja, es kann!

Trotz Ihrer Skepsis, liebe Leserin und leber Leser, vielleicht gar Ihrer Empörung, gehe ich noch einen Schritt weiter: Ich empfehle Ihnen selbst diese Taktik für Ihre Zwecke.

Worin besteht das Kalkül? Wie genau können Sie von den Politiker-Redeweisen profitieren? Sollen Sie fortan etwa jede Frage ignorieren und stattdessen erzählen, was Ihnen gerade in den Sinn kommt?

Irre Form – rationaler Hintergrund

Zunächst müssen wir klären, wie Politiker zu ihrem irritierenden Verhalten kommen. Punkt 1: Viele Politiker haben die Erfahrung gemacht, dass ein einziger unbedachter Satz verhängnisvolle Folgen zeitigen kann. Professionelle Politiker versuchen deshalb, solche Fehler zu vermeiden. Am besten geht das, wenn sie jede Spontanität ausschließen und ihre Antworten vor dem Interview vorbereiten. Nur vorbereitete Sätze zu sagen und gleichzeitig auf Fragen zu antworten, ist naturgemäß schwierig. Ergebnis? Siehe oben.

Punkt 2: Journalisten neigen dazu, die Dinge scheinbar zu verdrehen. Konkret: Als Politiker, Firmensprecherin oder Expertin werden Sie, sagen wir, eine Stunde, interviewt. In dieser Stunde sprechen Sie vielerlei an. Sie reden über das, was Ihnen wirklich wichtig ist. Und über die eine oder andere Belanglosigkeit. Hinterher wird der Film geschnitten oder der Artikel zusammen geschrieben. Vom Ergebnis sind Sie überrascht und entsetzt. Denn die Hauptaussage des fertigen Interviews wurde einer Nebenbemerkung entnommen. Eine jener Belanglosigkeiten, im Plaudern und am Rande erwähnt, wurde zur Überschrift aufgepumpt. Ihre Hauptaussagen, ausführlich besprochen und begründet dagegen, verschwinden irgendwo im Text oder werden am Ende und stark zusammengekürzt gesendet.

Eine Garantie dafür, was hinterher veröffentlicht wird, kann Ihnen keiner geben. Das einzige, was Sie selbst tun können, ist, nur das zu sagen, was Ihnen wichtig ist. Egal auf welche Frage. Mit anderen Worten: Das irritierende Politiker-Verhalten dient dazu, die eigene Botschaft zu transportieren. Zu diesem gewünschten Ergebnis führen drei Punkte:

1.) Bereiten Sie die eigene Botschaft vor
2.) Sagen Sie diese Botschaft, egal auf welche Frage hin
3.) Sagen Sie nichts anderes, als Ihre Botschaft

Diese – etwas plumpe – Anleitung führt bei ungeschickten Rednern zu monotonem Wörterbrei, zu faden Film-Sequenzen und in letzter Konsequenz zur Politikverdrossenheit. Gute Rhethoriker schaffen es dagegen, den Übergang zwischen der Frage nach Journalisten-Manier zur Antwort nach Parteizentralen-Stategie elegant und unauffällig zu gestalten. Wenn Sie noch besser sind, gelingt Ihnen sogar mancher spontane Coup, frische Sätze und flockige Scherze (beispielhaft hier).

So bringen Sie Ihre Botschaft rüber

-???- Wie bitte, Sie haben gar keine Botschaft? Sie sollten eine haben! Vergleichen Sie bei jeder Bewerbung die Stellenausschreibung mit Ihrem Profil. Welches sind die Hauptargumente, die Ihre Bewerbung stärken? Was soll das Gegenüber dagegen auf keinen Fall von Ihnen denken? Aus Ihren Top-Argumenten und lenkenden, verteidigenden Aspekten machen Sie Ihre Botschaft!

Da die Interviewer einer Firma die Kandidaten nicht hereinlegen wollen, haben Sie es einfacher, als die Politiker. Sie werden Steilvorlagen bekommen und beispielsweise gefragt, warum Sie die richtige Person für diesen Job sind. Hierauf sollten Sie vorbereitet sein!

Insbesondere im zeitversetzten Video-Interview, über das ich jüngst schrieb, bleibt Ihnen ähnlich wenig Zeit für Ihre Botschaft, wie sie ein Politiker im Fernseh-Interview hat. Bereiten Sie also Ihre Botschaft vor! Idealerweise sind Sie geschickt genug, den Bruch zwischen Frage und Antwort geschickt zu überbrücken. Dazu verhilft Übung!

(professionell begleitet z.B. in meinem Beratungs-Paket 3)

2 Kommentare

  • Ich habe mich auch schon für mein Business coachen lassen. Es ist einfach unglaublich, wie stark sich der Arbeitsmarkt in den letzten 100 Jahren gewandelt hat. Damals war so was nicht nötig und heute wird es fast schon verlangt. Dass vor allem solch plump wirkende Tricks helfen, gute Antworten mit den eigenen Zielen zu liefern, ist schon erstaunlich.

    Antworten
    • Danke für Ihren Kommentar. Rhetorik wirkt immer und überall – insofern ist es wichtig, sie dort zu beherrschen, wo man etwas erreichen will.

      Beste Grüße,

      Christoph Burger

      Antworten

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