Der Unsinn mit den Top-Arbeitgebern

Eine brandaktuelle Liste verspricht die Lösung für alle Job-Probleme: Die Top-Arbeitgeber 2015! Schnell wechseln und das Jobglück genießen, diese Option gibt es jetzt. Merkwürdig nur, dass viele meiner Kunden bei eben diesen Top-Arbeitgebern unglücklich sind. Einige wünschen sich nichts sehnlicher, als von dort weg zu kommen. Wie passt das zusammen? Ist etwas faul an der Liste? Und wo finden Sie den besten Arbeitgeber, wenn nicht dort?

Die Ermittlung der besten Arbeitgeber

Das Magazin Focus, das Karrierenetzwerk Xing und dessen Bewertungsplattform Kununu haben sich sehr bemüht, uns die besten Arbeitgeber zu präsentieren. 2000 Unternehmen kamen in die engere Wahl, 70.000 Bewertungen wurden verarbeitet. Mehr als 50 Fragen bezogen sich auf alle wesentlichen Aspekte des Arbeitsplatzes. Von den Aufstiegschancen über das Betriebsklima bis hin zur Frage, ob man das Unternehmen an Verwandte weiterempfehlen würde. Dieses Herangehen scheint gründlich und geeignet zu sein. Was stimmt dann nicht? Kann Sie die Liste nicht doch zum Jobglück führen?

Top-Arbeitgeber, aber miserabel bewertet?

Meine Kunden kommen teils zu miserablen Bewertungen von anerkannten Arbeitgebern – wieso? In die Karriereberatung geht nicht irgendwer. Trotz günstigen Festpreis-Paketen: Gemessen an alltäglichen Ausgaben oder den Kosten für einen Ratgeber ist es schon Geld, was man hier einsetzt. Sicher, es lohnt sich (Beispielrechnung), aber dennoch. Nicht jedem gelingt es, das Beratungshonorar als Investition in die eigene Karriere und das eigene persönliche Glück zu verstehen.

Anders gesagt: Menschen, die meine Kunden sind oder werden, sind gut ausgebildet und handeln in der Tendenz vorausschauender, selbstbestimmter und klüger als andere, die sich vielleicht mit einem Buchratgeber mit Standard-Tipps begnügen. Dementsprechend hoch sind ihre Ansprüche an ihre Jobs. Wer ihnen als Arbeitgeber nicht ermöglicht, ihr Potential zu entfalten, fällt durch. Denn sie wollen etwas bewirken. Ein hohes Gehalt etwa, wie es die Top-Arbeitgeber zahlen, Weiterbildungen und Job-Sicherheit,- das alles interessiert weniger, als die Chance, etwas zu bewegen. Verkrustete Strukturen, pure Lippenbekenntnisse oder Verhinderer als Chefs sind Gift für ihre Motivation. Stellt man also Bewertungen, wie sie Focus/xing hergeben und die Ansprüche der Top-Leister gegenüber, prallen zwei Welten zusammen. Immer wieder berichten mir meine Kunden, dass viele ihrer Kollegen absolut zufrieden mit ihren Jobs sind (wegen guter Bezahlung, Sicherheit …). Doch das ist nicht ihr Maßstab.

Wie Sie Ihren persönlichen Top-Arbeitgeber finden

Wenn Sie nun nicht mehr sicher sind, ob Ihnen persönlich die Besten-Liste hilft: Hier ein Verfahren, das Sie bestimmt weiter bringt. In der Karriereberatung werten wir aus, wie der Wunscharbeitgeber aussieht. Die Beschreibung der Unternehmen erfolgt beispielsweise in folgenden Werten:

  • Was zählt in der Firma vor allem: Gehorsam und Anpassung oder aktive Beteiligung?
  • Steht die Sachorientierung oder das Team im Mittelpunkt?
  • Haben beide Geschlechter ähnliche Chancen?
  • Zieht der soziale Gedanke oder werden eher Stärkere gefördert?
  • Wird Leistung belohnt?

Das eingesetzte Instrument erlaubt gleichzeitig den Vergleich mit dem alten Arbeitgeber, dem Wunschunternehmen und dem deutschen Durchschnittsunternehmen. Es ergeben sich klare Anhaltspunkte dafür, wo der jetzige Arbeitgeber passt und wo nicht. Zuweilen zeigt ein Punkt eine besonders große Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dann sollten Sie darauf besonders achten: Ein zukünftiger Arbeitgeber wird für Sie nur top sein, wenn er in dieser Frage zu Ihnen passt.

Anders gesagt: Listen mit Top-Arbeitgebern helfen nur bedingt weiter. Unternehmen, die für die meisten gut sind, müssen nicht zu Ihnen passen.

Für den einen ist ein Konzern besser, für den anderen ein kleineres Unternehmen. Für manche eignet sich ein Start-Up, für andere der öffentliche Dienst. Lassen Sie sich nicht von Listen mit Top-Arbeitgebern in die Irre führen. Nehmen Sie sie als Anregung, wo Ihnen ein Unternehmen noch unbekannt war. Auf diesem Weg werden Sie sicher die eine oder andere Entdeckung machen. Aber laufen Sie nicht einer Besten-Liste nach, dorthin, wo alle hin wollen. Sondern definieren Sie, was für Sie persönlich wichtig ist und navigieren Sie danach Richtung Jobglück.

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