Porträt Christoph Burger
Xing-Symbol Twitter-Symbol Facebook-Symbol Symbol RSS-Feed
15.01.2016 Umgang mit Ärger

Kritik begegnen, Ärger verarbeiten

Bild: pixabay, common licence
Bild: pixabay, common licence

Wie gehen Sie mit Kritik (professionell) um? Das fragt PR-Doktor Dr. Kerstin Hoffmann in ihrer Blogparade #Kritikprofis. In meinem Beitrag möchte ich Ihnen dabei helfen, mit Ihren Emotionen umgehen, wenn Sie kritisiert werden.

Kritisiert werden heißt, sich ärgern

Angenommen, Sie halten einen Vortrag oder eine Präsentation. Sie haben vorher alles durchdacht, sich aufs Präsentieren vorbereitet, sich große Mühe gegeben. Und dann das: Ein verärgerter Zuhörer startet einen Zwischenruf, mit dem Sie nicht gerechnet haben. Wie die Sache für Sie aussieht, hat dieser Mensch nichts kapiert und ist dazu auch noch frech und unerzogen. Was Sie empfinden, nennt sich „Ärger“.

„Ärger“ ist eine Emotion, die bedeutet: Es passiert etwas, das Sie nicht wollen, aber grundsätzlich ändern können. Das Gegenteil wäre Gleichgültigkeit. Als engagierter Mensch, der seine Sache gut machen will, werden Sie aber nicht gleichgültig sein, sondern eben ärgerlich. In der milden Variante „unzufrieden“, in einer starken „wütend“ (dagegen: Wenn Sie alles gleichgültig hinnehmen, befinden Sie sich auf dem Weg zur inneren Kündigung). Was tun?

Notfall-Handeln

Klar ist eines: Wenn Sie nun ausrasten, schaden Sie nur sich selbst. Ihrem Ruf und Ihrer Karriere. Gefragt ist also eine Alternative. Eine ruhige, souveräne Reaktion wäre prima. Nur: Sie ärgern sich maßlos! Vielleicht sogar: Sie kochen! Die Wut brodelt in Ihnen und die Hormone spüren Sie bis in die Haarspitzen!

Um zu verstehen, wo Ihr emotionales Problem in diesem Moment liegt, ist ein Blick in die Menschheitsgeschichte hilfreich. Wozu war die Wut usprünglich da? In Flucht- und Kampfsituationen verlieh sie unseren Vorfahren Energie. Sie sprangen vom Feuer auf, stellten die Verdauung ein, schalteten auf sofortige Aktivität, fokussierten ihre Wahrnehmung auf den gefährlichen Angreifer. Die Stresshormone schossen nach oben und verlangten nach sofortigem Abbau.

Physiologisch reagieren wir noch genau so wie unserer Vorfahren in der wilden Jäger- und Sammlerzeit. Nur dass es sinnlos wäre, die rote Ampel, die uns vielleicht gerade ärgert, körperlich zu bekämpfen.

Zurück zu Ihnen und Ihrem Problem im Business: Trotz Ihres Hormonzustandes wäre es im Meeting natürlich völlig unangemessen, Stühle beiseite werfend auf den widerspänstigen Zwischenrufer zuzustürmen und eine Keilerei mit ihm zu beginnen. Was Sie also brauchen, ist Abstand. Einen Notfallplan. Schlicht: Zeit, wieder herunter zu kommen. Bei einem Streit mag es gehen, dass Sie eine kurze Entschuldigung murmeln, den Raum verlassen und durch die frische Luft schreiten. Während einer Präsentation könnten Sie bis zehn zählen, die Energie abbauen, indem Sie kurz alle Muskeln anspannen, Ihrem Körper einen Alternativreiz bieten, indem Sie einen Schluck Wasser trinken. Entscheidend ist: Wenn Sie Ihre Reaktion nur um ein paar Sekunden verschieben, wird sie weniger wutgesteuert ausfallen, mehr ins Business-Umfeld passen, fairer sein.

Die Wut rauslassen oder runterschlucken?

Was ist aber besser, die Wut heraus zu lassen? Oder ist es günstiger, sie herunter zu schlucken? Fakt ist: Beide Reaktionsweisen haben messbare körperliche Nachteile. Mal geht es mehr in Richtung Herz-Kreislauf, mal wird das Immunsystem geschädigt: In jedem Fall ist die Wut ungesund.

Daher plädiere ich dafür, den Ärger richtig zu verarbeiten, um in Zukunft weniger Ärger zu erleben. Verändern Sie Ihr Leben so, dass Sie künftig ungesunde Ärgererlebnisse vermeiden.

Dafür gibt es vier Wege. Auf der einen Seite stehen eher Lösungen, eine ist nachhaltiger, selbstreflektiver. In jedem Fall kämpfen Sie nicht (unproduktiv) gegen andere, sondern (produktiv) für sich.

Ärger produktiv nutzen

Die vier Wege, Ärger produktiv zu nutzen:

So werden Sie Kritik künftig gelassener begegnen. Sie werden weniger Ärger erleben, denn er ist nicht mehr nötig; Sie haben ja Ihr Leben – positiv – verändert.

Zum Nachlesen: Der Zornkönig, mvg 2007.

Komprimiert und auf Ärger im Unternehmen bezogen: Change! Wut in positive Energie umwandeln. C.H. Beck 2009.



Tags:
Porträt Christoph Burger

Christoph Burger

Christoph Burger ist Diplom-Psychologe und Autor des Buches "Karriere ohne Schleimspur", das 2012 als eines der besten Managementbücher des Jahres ausgezeichnet wurde. Er arbeitet als Karriereberater in Herrenberg bei Stuttgart.

Schreiben Sie einen Kommentar!

* Pflichtfeld / ** Wird nicht veröffentlicht!